Ein langer Weg...

Kunst, war schon immer ein Teil meines Lebens, auch wenn ich das lange Zeit nicht nur ignoriert sondern fast schon bekämpft habe. Abitur, Ausbildung, Jobs in großen Unternehmen - all das war lange vermeintlich mein Weg, obgleich es da den Platz an der Kunsthochschule gab..
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Es lief alles irgendwie normal gut, auch wenn ich immer das Gefühl hatte, um mich herum stimmt etwas nicht, und ich gehörte da nicht hin, nicht an diesen Schreibtisch, nicht in dieses Unternehmen. Manchmal die leise Frage, was wäre denn gewesen,  wenn ich doch an die Kunstakademie gegangen wäre. 

April 2010 ein Moment  - der alles veränderte. Ich bekam eine Leinwand 80 x 80 cm  genau 5 Acryl Farben plus zwei Pinsel in die Hände. Ganz ehrlich ich habe nicht damit gerechnet was dann passierte. Eigentlich hatte ich nur vor ein Bild für unsere Wohnung zu malen. Mein Mann hatte keine Ahnung, das ich irgendwann mal zur Kunstakademie wollte, er lernte mich als Presseassistentin kennen. Und wirklich wenn ich daran zurück denke, wird mir heute noch schwindelig, was dieser Moment nach über 20 Jahren wieder einen Pinsel in der Hand zu halten ausgelöst hat. Ich hatte gar nicht  wirklich vor in die Kunst einzusteigen..einfach nur ein Bild malen eben.  Selbst mein Mann scherzte zunächst, und war gespannt was entstehen würde. Als er das Bild sah, verlies er am nächsten Morgen die Wohnung, und kam mit Staffelei, Leinwänden, Farben und Pinsel zurück, stellte das in mein Arbeitszimmer und meinte, ich glaub das ist es was Du die ganze Zeit gesucht hast. Dann gab es eine regelrechte Explosion, 20 Bilder in zwei Wochen, 20 Jahre Zurückhaltung, Verleugnung des eignen Weges, raus auf die Leinwände gebracht. 

Seit dem ist die Kunst wieder mein Leben und wieder in meinem Leben. Ein kleiner vermeintlich unwichtiger Moment, hat mich endlich dahin zurück gebracht, wo ich schon immer sein sollte. 

10 Jahre ist das jetzt her, 10 Jahre in denen viel passiert ist, Hochs; Tiefs, Abbrüche und Ausbrüche. Aus Acrylfarben sind inzwischen Ölfarben geworden, und die Leinwände meist sehr groß. Aber ich probiere auch immer wieder neue Techniken, wie Tusche und kombiniere Materialien. 

Ich plane meine Werke nie, sie sind immer Ausdruck der momentanen und aktuellen Situation um mich herum. Was mich bewegt kommt auf die Leinwand, mal sanft und anmutig, aber sehr oft expressionistisch mit starken Farben die in wiederum dunklen Farbrahmen gehalten werden damit sie nicht ausbrechen. 

Seit 2014 wurden meine Arbeiten in London, Leipzig, New York und Miami ausgestellt und befinden sich in verschiedenen Privatsammlungen in Europa und Amerika. 

Neben der freien Kunst spielt auch die angewandte Kunst bei mir inzwischen eine große Rolle. Die kleinsten Menschenseelen dürfen zu mir ins Atelier kommen und gemeinsam mit mir, alles auf die Leinwand bringen was sie wollen, sich rein intuitiv bewegen und die Farben wählen. Es gibt kein "das musst Du so machen" sondern nur Freiheit und Selbstausdruck. 

Ein weiterer Bereich der angewandten Kunst, sind Workshops in einer Jugendstrafvollzugsanstalt. Ich arbeite mit den Jugendlichen, an ihrem freien kreativen Ausdruck, um Grenzen aufzubrechen und malerische, bewegungsorientierte Strategien zur Selbstregulierung und zum Stressabbau  zu implementieren. 


Diese Arbeit bedeutet mir emotional sehr viel, die Jugendlichen und ihre Geschichten berühren mich sehr und es ist mir eine Herzensangelegenheit, Vielleicht leistet meine Arbeit in der Jugendstrafvollzugsanstalt ja einen kleinen Beitrag dazu, das die Jugendlichen nach der Haft festen Boden unter den Füßen spüren. 

Jede Situation die mir begegnet kann Auslöser für ein Kunstwerk sein, ich bin ein unglaublich emotionaler Mensch, wobei diese Emotionen natürlich auch von Extremen geprägt sind, mal ganz ruhig und "tiefinnig" und dann wieder sehr laut. 

Herzlichst

Manja McCade